Der Mehr.Wert der Umweltkosten

Eine Einheit, mit der alle rechnen

Durch die Berechnung von Umweltkosten werden Umweltauswirkungen in die Sprache der Wirtschaft übersetzt. So kann jede:r einfach verständlich Verantwortung für die eigenen Umweltauswirkungen übernehmen und umweltschonende Entscheidungen treffen. Auf dieser Seite erfahren Sie, welche Methode im Mehr.Wert-Standard angewendet wird, wie sie (einfach erklärt) funktioniert und warum unser Wissenschaftler:innen-Team sich für diese Methode entschieden hat.

Einfach zukunftsweisende Entscheidungen treffen

Mit Umweltkosten zu wahren Preisen

Was nichts kostet, dem kann in der Logik der Wirtschaft kein Wert zugeordnet werden. Es ist nicht bilanzierbar und auch nicht für eine breite Masse nachvollziehbar. Doch gerade das braucht es, wenn wir die Nachhaltigkeitstransformation beschleunigen wollen. Die Übersetzung von Umweltauswirkungen in einen Geldwert und dessen Internalisierung tragen einfach verständlich zu umweltbewussterem Konsum, zukunftsfähigeren Entscheidungen in Unternehmen und Städten und einer gerechteren Gesellschaft bei.

Warum? Weil die Auswirkungen, von Produkten, Dienstleistungen, Unternehmen, Städten – und uns Individuen – bereits heute große Umweltkosten verursachen. Denn es kostet Geld, Gewässer zu reinigen oder das Gesundheitssystem sowie unsere Städte auf kommende Umweltveränderungen vorzubereiten. Dieses Geld wird derzeit vergesellschaftet. Mit der Berechnung und Internalisierung von Umweltkosten kann sich das ändern.

Fotografie: Weitwinkelaufnahme eines wunderschönen bergigen Waldgebietes
Fotografie: Wanderpfad an einem blumenübersäten Steilhang

Auf einen Blick

Mehr.Wert der Umweltkosten

  • Transparenz: Umweltkosten machen sichtbar, welche Umweltbelastungen wie viel kosten (z. B. CO₂, Wasserverbrauch, Abfall).
  • Vergleichbarkeit: Verschiedene Prozesse oder Produkte können anhand ihrer Umweltkosten direkt verglichen werden
  • Verständliche Entscheidungsgrundlage für Unternehmen, Politik und Konsument:innen bei Investitionen und Produktwahl
  • Kostenwahrheit: Umweltkosten zeigen „versteckte“ ökologische Schäden, die sonst nicht im Marktpreis enthalten sind (z. B. Klimaschäden durch CO₂)
  • Innovation: Anreize für umweltfreundlichere Technologien und Materialien
  • Risikomanagement: Umweltkosten helfen, ökologische Risiken (z. B. CO₂-Preise, strengere Gesetze) frühzeitig zu erkennen
  • Nachhaltigkeitskommunikation: leichtere Darstellung von Umweltleistungen in Berichten, Labels und für Stakeholder

Ermittlung der Umweltkosten

Umweltauswirkungen valide in Euro übersetzen

Zur Berechnung der Umweltkosten eines Objekts oder einer Dienstleistung werden gemäß Mehr.Wert-Standard die Umweltauswirkungen, die anhand der Ökobilanz ermittelt wurden, mit den Umweltkostensätzen von CE Delft multipliziert und anschließend zusammengerechnet.

CE Delft ist ein niederländisches Forschungs- und Beratungsinstitut, das das sogenannte „Environmental Prices Handbook“ herausgibt. Darin sind die Umweltkostensätze definiert. Diese Sätze werden in Euro-Betrag pro Einheit Umweltbelastung angegeben (z. B. €/t CO₂). Derzeit werden nach Mehr.Wert-Standard die acht robust berechenbaren Umweltwirkungskategorien Klimawandel, Versauerung, Süßwasser- und Meerwasser-Eutrophierung, Sommersmog, Abbau der Ozonschicht, Land- und Wassernutzung monetarisiert.

Vereinfacht kann man sagen, dass die Umweltkostensätze der CE Delft die sozialen Kosten der Umweltverschmutzung in Euro ausdrücken. Sie setzen sich aus mehreren Komponenten zusammen, darunter die Schadensvermeidungs- und Wiederherstellungskosten. Für die Berechnung der Kostensätze wurden umfangreiche Datenquellen herangezogen, darunter wissenschaftliche Studien und offizielle Statistiken.

Die Grafik zeigt die aktuellen Umweltkostensätze nach CE Delft

Aktuelle Umweltkostensätze

Umweltkosten nach CE Delft

Der Rechenweg

 

Fotografie Großstadt mit Park

1. Ermittlung der Schadenskosten
(auf Endpoint-Ebene)

Grundlage sind Vermeidungs- & Wiederherstellungskosten sowie die statistisch ermittelte Zahlungsbereitschaft.

Gesammelte Ausschnitte aus allen Bildern, die zu den Wirkungskategorien auf dieser Seite veröffentlicht sind

2. Übersetzung der Schadenskosten in die einzelnen Wirkungskategorien
(auf Midpoint-Ebene)

Pro Wirkungskategorie ergibt sich sodann ein CE Delft Kostensatz (Euro / Einheit Schadstoff-Äquivalent)

Fotografie: weißes T-Shirt, dass an einer Wand hängt

3. Ermitteln der konkreten Umweltkosten

Kostensätze der CE Delft werden mit dem Ergebnis der Ökobilanz multipliziert.

Mehr zur Berechnungsmethode von CE Delft im „Factsheet Monetarisierung“

Methodenauswahl

Warum wir nach CE Delft monetarisieren

Die Monetarisierung von Umweltauswirkungen erfordert eine transparente, wissenschaftlich fundierte und konsistente Methodik. Die Wahl der CE Delft-Methode basiert auf einer umfassenden Analyse verschiedener Monetarisierungsansätze und ihrer Eignung für den Mehr.Wert-Standard. Folgende Kriterien machen die CE Delft-Methode zur bevorzugten Grundlage für die Monetarisierung im Mehr.Wert-Standard.

  • Transparenz
  • Geltungsbereich
  • Kostenhöhe
  • Method. Konsistenz
  • Aktualität

Aus dem wissenschaftlichen Paper „Comparison of different monetization methods in LCA: A review“ von Rosalie Arendt, et al. (2020) geht hervor, dass die Ermittlung von Umweltkostensätzen des Forschungsinstituts CE Delft, eine transparente und nachvollziehbare Methodik aufweist. In dem Paper werden neun relevante Monetarisierungsmethoden bewertet und miteinander verglichen, wovon vier Methoden bezüglich ihrer Dokumentation und Berechnung als gründlich, transparent und klar eingestuft werden. Die CE Delft-Methode liegt dabei auf dem dritten Platz.

Der geografische Geltungsbereich der CE Delft-Methode ist die Europäische Union (EU). Der Mehr.Wert-Standard fand erstmalig Anwendung innerhalb der EU, weshalb diese Daten für ausreichend valide eingeschätzt wurden.

Eine Entwicklung globaler oder regionalspezifischer Kostensätze verursacht einen hohen Aufwand (Kosten und Zeit). Uns ist bewusst, dass Lieferketten je nach Branche über die Grenzen der EU hinausgehen können. Um die Präzision zur Ermittlung der Umweltkostenverteilung zu erhöhen besteht das langfristige Ziel, die Umweltkostensätze auch für den „Rest der Welt“ sowie sukzessive regionalspezifisch wissenschaftlich berechnen zu lassen und geltend zu machen.

Aufgrund des wesentlich höheren, derzeit wirtschaftlich nicht tragbaren Aufwands zur Ermittlung globaler oder bedarfsgerechter Umweltkostensätze, aber der entgegenstehenden Transparenz, Kompatibilität und Genauigkeit der CE-Delft-Methode wurden zunächst die EU-Umweltkostensätze für die Verwendung nach Mehr.Wert-Standard eingeführt.

Da sich die Umweltkosten aus Schadens- und Vermeidungskosten zusammensetzen, zahlen auch sozioökonomische Faktoren auf die Abschätzung der Umweltkosten ein. Je wohlhabender das Land oder die Region, desto höher werden die Umweltkostensätze. Beispielsweise richtet sich die Entlohnung für die Beseitigung oder die Zahlungsbereitschaft für die Vermeidung von Schäden nach dem regionalen durchschnittlichen Einkommen oder verfügbarem Kapital der Region. Die CE Delft-Methode ist nach den Untersuchungen von Wissenschaftler:innen der Technischen Universität Berlin auf dem dritten Rang von neun. Man kann dies als valides, oberes Mittelfeld betrachten.

Im Zuge der Entwicklung des Mehr.Wert-Ansatzes wurde die Methode des Environmental Prices Handbook von der Technischen Universität Berlin als „wissenschaftlich fundiert“ und „state of the art“ eingeschätzt.

Sowohl für die Ökobilanz als auch für die monetäre Bewertung im Environmental Prices Handbook wird die Wirkungsabschätzungsmethode ReCiPe 2016 verwendet. Sie setzt auf die Form der Ökobilanzergebnisse gemäß ISO-Norm auf. Durch die Kompatibilität wird ein potenzielles Fehlerrisiko bei der weiterführenden Umweltkostenberechnung verringert.

Darüber hinaus gilt ReCiPe als das erste größere Projekt, das bis zu einem gewissen Grad die Konsistenz zwischen Midpoint- und Endpoint-Auswirkungen garantiert. Dies ist besonders wichtig, da bei der Monetarisierung die Bewertung zunächst auf der Endpunktebene erfolgt (Schadenskostenbewertung für Schutzgüter) und dann auf die mittlere Ebene übertragen wird, um auf die Midpoint-Ökobilanzergebnisse (wie auf die der Wirkungskategorien Klimawandel, Abbau der Ozonschicht, Wasserverbrauch usw.) anwendbar zu sein (Siehe auch Grafik weiter oben).

Die Methode von CE Delft gilt als wissenschaftlich fundiert und methodisch aktuell. Der Fokus liegt auf der Sicherung der Genauigkeit und Aktualität der Kostensätze für Emissionen in den jeweiligen Wirkungskategorien sowie der Kompatibilität der CE Delft-Methodik mit dem Mehr.Wert-Standard.

Wichtige Begriffe kurz erklärt

Was ist …

CE Delft

CE Delft ist ein unabhängiges Forschungs- und Beratungsinstitut aus den Niederlanden, das sich mit Nachhaltigkeit, Energie, Verkehr und Umweltfolgen beschäftigt. Wenn es um Umweltkosten geht, nutzt CE Delft Methoden, die auf Externalitätsbewertung beruhen – also auf der Erfassung von Schäden, die wirtschaftliche Aktivitäten (z. B. Transport, Energieverbrauch) an Umwelt und Gesundheit verursachen, aber nicht im Marktpreis enthalten sind.

Environmental Prices Handbook

Das Environmental Prices Handbook von CE Delft ist eine Art Referenzhandbuch für die Monetarisierung von Umweltschäden. Es liefert vereinheitlichte Kostensätze pro Schadstoff oder Ressourcennutzung, die auf wissenschaftlichen Berechnungsmethoden beruhen. Damit können Unternehmen, Behörden oder Forscher einfach die Umweltkosten von Produkten, Projekten oder Sektoren berechnen, sichtbar machen und internalisieren.

Umweltkosten

Mit Umweltkosten werden die Kosten bezeichnet, die durch die Abnutzung und Zerstörung der Natur entstehen. Beispiele hierfür sind Wiederherstellungskosten, aber auch Anpassungen an Umweltveränderungen, Gesundheitskosten, etc. Man spricht auch von externen Kosten oder Externalitäten, weil diese Kosten bisher in der Regel nicht direkt vom Verursacher getragen, sondern vergesellschaftet werden. Bürger:innen zahlen die Umweltkosten versteckt in Steuern, Versicherungen, etc.

Wirkungsabschätzungsmethode ReCiPe 2016 (H)

ReCiPe 2016 (H) ist ein Werkzeug, um Umweltschäden messbar und vergleichbar zu machen. Mit dieser standardisierten Methode kann man berechnen, wie stark ein Produkt, ein Prozess oder eine Dienstleistung die Umwelt belastet. Sie wird sehr oft in Ökobilanzen (auch Life Cycle Assessment (LCA) oder Lebenszyklusanalyse) benutzt.

Sie liefert sowohl detaillierte (Midpoint) als auch aggregierte (Endpoint) Ergebnisse. Die Mitpoint Ebene betrachtet Ursache und Auswirkung auf einem Detailgrad von 18 Wirkungskategorien. Diese sind beispielsweise Klimawandel, Versauerung, Eutrophierung, Wasser- oder Landnutzung. Mit diesen Informationen können zum Beispiel Produkte zielgenauer Optimiert werden, da Verbesserungen konkret sichtbar werden, aber auch Problemverschiebungen (Verbesserung in einer Wirkungskategorie vs. Verschlechterung in einer anderen)

Die „aggregierten Midpoint-Ergebnisse“ sind Schadenskategorien. Sie zeigen den realen Schaden der verschiedenen Umweltauswirkungen bezogen auf Mensch und Natur. Es gibt drei Kategorien:

Menschliche Gesundheit (z. B. Krankheitslast in DALY)
Ökosystemqualität (z. B. Verlust an Biodiversität)
Ressourcenverfügbarkeit (z. B. erhöhte Kosten zukünftiger Rohstoffgewinnung).
Jede Wirkungsabschätzungsmethode basiert auf Annahmen. ReCiPe 2016 bietet drei sogenannte „kulturelle Perspektiven“. Diese unterscheiden sich dadurch, wie vorsichtig oder zukunftsorientiert die Modellannahmen sind. Das „H“ in der Bezeichnung ReCiPe 2016 (H) bedeutet, dass die „H“-Perspektive zur Bewertung des Schadens verwendet wird, das ist die mittlere, am häufigsten genutzte Annahmebasis und wird als wissenschaftlicher Konsens definiert.

Midpoint- / Endpoint-Auswirkungen

In einer Ökobilanz schaut man sich an, welche Umweltwirkungen ein Produkt, ein Prozess oder eine Dienstleistung verursacht. Dafür gibt es zwei Ergebnisdarstellungen bzw. Bewertungsebenen.

Die Midpoint-Ebene kann auch als Wirkungskategorie-Ebene verstanden werden, auf der standardisierte Wirkungseinheiten definiert sind. Hier werden verursachte Emissionen präzise Umweltwirkungskategorien zugeordnet. Beispiele für Kategorien und zugehörige Messeinheiten sind: Klimawandel: kg CO₂-Äquivalente, Versauerung: kg SO₂-Äquivalente, Eutrophierung: kg PO₄³⁻-Äquivalente, Ozonabbau: kg CFC-11-Äquivalente.

Die Endpoints können auch als Schadens-Ebene verstanden werden. Hier werden die Midpoints weiterverarbeitet und in tatsächliche Schäden an Schutzgütern übersetzt:

  • Menschliche Gesundheit (z. B. Krankheitsfälle, verlorene Lebensjahre)
  • Ökosystemqualität (z. B. verlorene Biodiversität, Artenverlust)
  • Ressourcenverfügbarkeit (z. B. erhöhte Kosten durch Knappheit)
  • In der Ökobilanz haben die mittleren Werte eine höhere Sicherheit, während die Endpunkte (wie Ökosysteme, Ressourcen und menschliche Gesundheit) eine höhere Aussagekraft beispielsweise für die Entscheidungsfindung haben. Dementsprechend wird die Mittelwertebene für Ökobilanzergebnisse und Umweltkostenberechnungen verwendet, während für die Monetarisierungsmethodik die Endpunktebene verwendet wird, da die Bewertung auf Schadenskosten (Zahlungsbereitschaft & Wiederherstellungskosten) und Vermeidungskosten (Vermeidung) basiert, die auf der Endpunktebene ermittelt werden.