Der Mehr.Wert von Ökobilanzen

Den wahren Fußabdruck reduzieren

International anerkannte Ökobilanzen und die zunehmende Datenverfügbarkeit sind Game Changer der Nachhaltigkeitstransformation. Denn durch sie entsteht ein detailliertes Bild über die Umweltauswirkungen von Produkten, Dienstleistungen und Prozessen, das die wirksame Reduktion von Schadstoffen und umweltbewusste Entscheidungsfindungen unterstützt. Erfahren Sie hier mehr darüber.

Von pauschalen Aussagen zu kontextbasierten Entscheidungen

Der Kompass für zielführende Nachhaltigkeit

Ist es nachhaltiger, einen konventionellen Apfel vom Bodensee zu kaufen, oder doch den biodynamischen aus Australien? Wenn Sie LCA-Expert:innen fragen, werden diese antworten: „Kommt auf die Jahreszeit, die Größe des Frachtschiffes, die Art der Lagerung am Bodensee, und vieles mehr an. Für eine valide Aussage müssen wir beide Äpfel ökobilanzieren.“

Von pauschalen Aussagen zu kontextbasierten Entscheidungen

Der Kompass für zielführende Nachhaltigkeit

Ist es nachhaltiger, einen konventionellen Apfel vom Bodensee zu kaufen, oder doch den biodynamischen aus Australien? Wenn Sie LCA-Expert:innen fragen, werden diese antworten: „Kommt auf die Jahreszeit, die Größe des Frachtschiffes, die Art der Lagerung am Bodensee, und vieles mehr an. Für eine valide Aussage müssen wir beide Äpfel ökobilanzieren.“

Genau hierin liegt einer der Schlüssel für eine zielführendere Art nachhaltigen Handelns. Denn während in der Prä-Ökobilanz-Ära umweltbezogene Aussagen häufig pauschal, wenn nicht gar ambivalent waren, ist es heute möglich, kontextbasiert zu entscheiden und somit umweltschonender vorzugehen. Dieses Wissen ist auch für die Stakeholderkommunikation wertvoll. So können beispielsweise Konsument:innen zielführender und glaubwürdiger in den Nachhaltigkeitsprozess eingebunden werden.

 

Fotografie: Wald aus der Helikopterperspektive

Auf einen Blick

Mehr.Wert der Ökobilanzierung

  • Ganzheitliche Sicht auf die gesamten Umweltauswirkungen
  • Detaillierte Analyse und Aussagekraft
  • Hotspots identifizieren: Erkennen der wirksamsten Reduktionspotenziale
  • Vermeidung von Burden Shifting (Problemverschiebung)
  • Vergleichbarkeit zwischen Produkten, Dienstleistungen, Prozessen, Unternehmen und Städten
  • Sichere und anerkannte Kommunikation des eigenen Handelns
  • Nachhaltige Entscheidungsgrundlage für Unternehmen und Politik

Ökobilanz nach ISO-Norm

Die vier Schritte der Ökobilanzierung

Nachaufnahme Rindenstruktur

1. Ziel und Untersuchungsrahmen

• Festlegen des Untersuchungsgegenstandes
• Definition der Systemgrenzen (z. B. nur Herstellung oder kompletter Lebenszyklus)
• Bestimmen des Vergleichsmaßstabs (z. B. „1 Liter abgefülltes Trinkwasser“)

Nahaufnahme lilafarbenes Blatt mit Struktur

2. Sachbilanz
Sammlung aller Input- und Output-Daten, wie
Eingesetzte Rohstoffe, Energie, Wasser
Emissionen in Luft, Wasser, Boden
Abfälle und Nebenprodukte, etc.
Ergebnis: eine große Tabelle mit allen Stoff- und Energieströmen.

Kunstvolle Nahaufnahme eines Baumstamms

3. Wirkungsabschätzung

Übersetzung der Sachbilanz-Ergebnisse in Umweltauswirkungen. Z. B.: CO₂-Emissionen in Klimawandel, SO₂ in Versauerung oder Stickstoffüberschüsse in Eutrophierung, Wasserentnahme in Wassernutzung. Dafür wird nach Mehr.Wert-Standard die Wirkungsabschätzungsmethode ReCiPe 2016 (H) genutzt.

 

Fotografie: Moos

4. Interpretation

Hotspots identifizieren (Wo sind die größten Belastungen?) Reduktions- bzw. Optimierungsmaßnahmen ableiten

Verpflichtender Rahmen der Wirkungsabschätzung nach Mehr.Wert-Standard

Die acht Umweltwirkungskategorien

 

Fotografie: Ein Gletscher mündet in einen Bergsee

Die Umweltwirkungskategorie „Klimawandel“ beschreibt die Auswirkungen von Treibhausgasemissionen auf die Erderwärmung, gemessen an ihrem Beitrag zum Treibhauseffekt über einen bestimmten Zeitraum

Fotografie: Wurzeln in krankem Erdboden als Symbol für die Umweltwirkungskategorie "Versauerung"

Die Umweltwirkungskategorie „Versauerung“ beschreibt die potenziellen Auswirkungen von sauren Schadstoffen, wie Schwefel- und Stickstoffverbindungen, auf Böden, Gewässer und Ökosysteme durch die Absenkung des pH-Werts.

Fotografie eines veralgten Sees als Bild für die Umweltwirkungskategorie "Süßwasser-Eutrophierung"

Die Umweltwirkungskategorie „Süßwasser-Eutrophierung“ beschreibt die Anreicherung von Nährstoffen, vor allem Phosphor, in Binnengewässern, was zu übermäßigem Algenwachstum und Sauerstoffmangel führt.

Fotografie eines veralgten Sees als Bild für die Umweltwirkungskategorie "Meerwasser-Eutrophierung"

Die Umweltwirkungskategorie „Meerwasser-Eutrophierung“ beschreibt die Überdüngung von Meeresökosystemen durch den Eintrag von Nährstoffen, insbesondere Stickstoff, was übermäßiges Algenwachstum und Sauerstoffmangel zur Folge haben kann.

Fotografie einer verrauchten Landschaft als Symbol für die Umweltwirkungskategorie "Sommersmog"

Die Umweltwirkungskategorie „Sommersmog“ beschreibt die Bildung von bodennahem Ozon aus Luftschadstoffen unter Sonneneinstrahlung, was die Luftqualität verschlechtert und Gesundheit sowie Vegetation schädigen kann.

Fotografie: Landwirtschaftliche Flächen als Bild für die Umweltwirkungskategorie "Landnutzung"

Die Umweltwirkungskategorie „Landnutzung“ beschreibt die Veränderung und Inanspruchnahme von Flächen durch menschliche Aktivitäten und deren Auswirkungen auf Biodiversität, Bodenfunktionen und Ökosystemleistungen.

Fotografie: Vertrocknete Erde als Symbol für die Wirkungskategorie "Wassernutzung"

Die Umweltwirkungskategorie „Wassernutzung“ beschreibt die Entnahme und Nutzung von Wasserressourcen sowie deren Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von Wasser für Ökosysteme und andere Nutzer.

Wichtige Begriffe kurz erklärt

Was ist …

Burden Shiftig

Burden Shifting bedeutet, dass man ein Umweltproblem löst oder reduziert, aber dadurch unbeabsichtigt ein anderes Problem erzeugt oder verschiebt – sei es zwischen Umweltwirkungskategorien (Klimawandel, Versauerung, Landnutzung, etc.), zwischen Lebenszyklusphasen (bspw. von Herstellung zum Lebensende) oder zwischen Regionen/Zeitpunkten.

Eine Ökobilanz (LCA) will genau solche Problemverschiebungen sichtbar machen. Ziel ist, Gesamtbelastungen zu reduzieren, nicht nur einzelne Aspekte. ISO-Normen fordern deshalb eine ganzheitliche Betrachtung aller Umweltwirkungen, um Burden Shifting zu vermeiden.

Typische Beispiele in der Ökobilanz
Emissionen vs. Abfälle: Filter in Fabriken senken die Luftverschmutzung, erzeugen aber hochgiftigen Sondermüll. Die Belastung wandert von der Luft ins Abfall-/Bodensystem.
Lokal vs. global: Strom aus Biokraftstoffen kann lokal „sauber“ wirken, aber die Anbauflächen führen weltweit zu Entwaldung und Biodiversitätsverlust. Die Belastung verschiebt sich von lokal zu global.

GHG Protocol (for Cities)

Das GHG Protocol (Greenhouse Gas Protocol) ist der weltweit am meisten genutzte Standard, um Treibhausgasemissionen systematisch zu erfassen, zu berechnen und zu berichten. Es bietet Unternehmen, Organisationen und Regierungen ein einheitliches Regelwerk, um ihre Klimabilanz (CO₂-Fußabdruck) zu erstellen. Dadurch werden Ergebnisse vergleichbar und transparent, ähnlich wie bei Finanzbilanzen.

Weil die Strukturen und Emissionen von Städten und Gemeinden anders sind als die von Unternehmen, gibt es für sie einen eigenen Standard, das GHG Protocol for Cities. Dieser Standard legt fest, wie Städte ihre Treibhausgasemissionen messen und berichten sollen, damit:

Ergebnisse vergleichbar sind (z. B. Hamburg vs. Kopenhagen),
Fortschritte in der Klimapolitik überprüfbar sind,
globale Klimaziele (z. B. Pariser Abkommen) auch auf lokaler Ebene verfolgt werden können.

ISO-Norm für Ökobilanzen

Die ISO-Normen für Ökobilanzen legen den Rahmen fest, wie eine Ökobilanz oder auch Lebenszyklusanalyse durchgeführt werden muss, damit sie international anerkannt wird und die Ergebnisse vergleichbar sind. Sie definieren die Anforderungen an Transparenz, Konsistenz und wissenschaftliche Fundierung. Beispiele hierfür sind Vorgaben, wie Ziele und Systemgrenzen definiert oder Ergebnisse interpretiert werden.
ISO 14040/44 definiert den Rahmen für Produkt- und Dienstleistungs-Ökobilanzen.
ISO/TS 14072 ist eine Ergänzung zur Ökobilanz-Norm ISO 14040/14044. Sie legt fest, wie man Ökobilanzen für Organisationen (z. B. Unternehmen, Abteilungen, Institutionen) erstellt.

Lebenszyklus in der Ökobilanz

Der Lebenszyklus beschreibt alle Phasen eines Produktes, Prozesses oder einer Dienstleistung von der Entstehung bis zum Ende. In der Ökobilanz bedeutet das: Man schaut nicht nur auf die Nutzung, sondern auf alle Schritte, die Ressourcen verbrauchen oder Emissionen verursachen. Das ist wichtig, da viele Umweltwirkungen nicht dort entstehen, wo man sie vermutet. Ein Laptop zum Beispiel verbraucht in der Nutzung wenig Energie, aber die Herstellung und Rohstoffgewinnung verursachen hohe Umweltauswirkungen. Auch wird durch die Lebenszyklus-Betrachtung eine Problemverschiebung (Burden Shifting) vermieden.

Typische Phasen eines Lebenszyklus sind („von der Wiege bis zur Bahre“):

  • Rohstoffgewinnung: Abbau von Erzen, Förderung von Öl, Holzeinschlag, Landwirtschaft usw.
  • Herstellung / Produktion: Verarbeitung von Rohstoffen, Bau von Produkten, Maschinenlauf, Chemikalieneinsatz.
  • Transport / Distribution: Transporte zwischen Lieferanten, Händlern und Kunden.
  • Nutzung: Strom-, Wasser- oder Materialverbrauch beim Gebrauch des Produkts,
    Wartung, Reparatur, Reinigung etc.
  • End-of-Life:  Entsorgung oder Recycling

Umweltauswirkung / Umweltwirkungskategorie

Umweltauswirkungen sind die Folgen menschlichen Einwirkens auf die Umwelt. Von der Herstellung bis zur Entsorgung von Produkten werden zum Beispiel natürliche Ressourcen wie Wasser oder Land gebraucht und verschiedene Emissionen wie Kohlenstoffdioxid, Stickstoff oder Methan freigesetzt. Diese Prozesse bezeichnet man als Umweltauswirkungen.

Um darzustellen, wie sich die Umwelt durch die Auswirkungen verändert, werden die Umweltauswirkungen in Umweltwirkungskategorien zusammengefasst. Die bekannteste ist der Klimawandel.

In der Ökobilanzierung zielt man darauf ab, möglichst viele Umweltwirkungskategorien zu berücksichtigen, um ein vollständiges Bild als Basis für die Reduktion zu erhalten. Im GUH-Standard werden noch sieben weitere Umweltwirkungskategorien betrachtet: Versauerung, Süßwasser- und Meerwasser-Eutrophierung (Nährstoffübersättigung), Sommersmog, Abbau der Ozonschicht, Land- und Wassernutzung.

Wirkungsabschätzungsmethode ReCiPe 2016 (H)

ReCiPe 2016 (H) ist ein Werkzeug, um Umweltschäden messbar und vergleichbar zu machen. Mit dieser standardisierten Methode kann man berechnen, wie stark ein Produkt, ein Prozess oder eine Dienstleistung die Umwelt belastet. Sie wird sehr oft in Ökobilanzen (auch Life Cycle Assessment (LCA) oder Lebenszyklusanalyse) benutzt.

Sie liefert sowohl detaillierte (Midpoint) als auch aggregierte (Endpoint) Ergebnisse. Die Mitpoint Ebene betrachtet Ursache und Auswirkung auf einem Detailgrad von 18 Wirkungskategorien. Diese sind beispielsweise Klimawandel, Versauerung, Eutrophierung, Wasser- oder Landnutzung. Mit diesen Informationen können zum Beispiel Produkte zielgenauer optimiert werden, da Verbesserungen konkret sichtbar werden, aber auch Problemverschiebungen (Verbesserung in einer Wirkungskategorie vs. Verschlechterung in einer anderen).

Die „aggregierten Midpoint-Ergebnisse“ sind Schadenskategorien. Sie zeigen den realen Schaden der verschiedenen Umweltauswirkungen, bezogen auf Mensch und Natur. Es gibt drei Kategorien:

Menschliche Gesundheit (z. B. Krankheitslast in DALY)
Ökosystemqualität (z. B. Verlust an Biodiversität)
Ressourcenverfügbarkeit (z. B. erhöhte Kosten zukünftiger Rohstoffgewinnung).
Jede Wirkungsabschätzungsmethode basiert auf Annahmen. ReCiPe 2016 bietet drei sogenannte „kulturelle Perspektiven“. Diese unterscheiden sich dadurch, wie vorsichtig oder zukunftsorientiert die Modellannahmen sind. Das „H“ in der Bezeichnung ReCiPe 2016 (H) bedeutet, dass die „H“-Perspektive zur Bewertung des Schadens verwendet wird. Das ist die mittlere, am häufigsten genutzte Annahmebasis und wird als wissenschaftlicher Konsens definiert.