B
Biodiversität
Was ist Biodiversität? Geht es um Biodiversität, denken wir zunächst an die „Artenvielfalt”. Die biologische Vielfalt umfasst jedoch zwei weitere Ebenen: ein breites Spektrum an Lebensräumen und genetischen Veranlagungen. Genetische Vielfalt (ein großer Genpool) bedeutet eine große Vielfalt zwischen den einzelnen Individuen einer Art, egal ob Bakterium, Pilz, Pflanze oder Tier. Kommen zahlreiche Individuen verschiedener Arten innerhalb eines Lebensraums, z. B. eines Waldes, vor, bedeutet das eine große Vielfalt innerhalb dieses Lebensraums.
Was bewirkt Biodiversität? Ein intaktes Ökosystem ist in der Lage, negativen Einflüssen unterschiedlicher Art standzuhalten, diese abzufedern und zu überwinden, ohne dabei langfristig Schaden zu nehmen. Biodiversität spielt dabei eine zentrale Rolle, denn sie gewährleistet die Widerstandsfähigkeit des Ökosystems gegenüber Umweltveränderungen.
Ein Beispiel: Die Fichten-Reinbestände, die hierzulande großflächig an nicht arttypischen Standorten angepflanzt wurden, waren wenig divers und so nicht widerstandsfähig gegenüber eingetretenen Umweltveränderungen. Das trockene Klima schwächte die Fichten und machte sie anfällig für den Borkenkäfer. Dieser wiederum konnte sich prächtig in den monokulturellen Wäldern vermehren, wo die Fichten dicht an dicht standen. Das Ergebnis sind weitläufig abgestorbene und kahle Waldareale, in denen für Jahrzehnte kaum eine waldtypische Art einen Lebensraum finden wird. Auch die Ökosystemleistungen, die an solch einem Standort normalerweise durch einen Laubmischwald vollbracht werden, sind über Jahrzehnte hinweg gestört.
Wie kann Biodiversität dazu beitragen, solch ein Phänomen zu verhindern? Besteht ein Waldstandort nicht nur aus einer Baumart, sondern aus zehn verschiedenen Baumarten, welche an die standörtlichen Bedingungen angepasst sind, ist er weniger anfällig für derartige Probleme. Krankheiten oder „Schädlinge“ sind zumeist nicht für alle Arten gleich problematisch. Breitet sich also der Borkenkäfer nur an Fichten aus, nicht aber an Buchen, Eschen, Eichen und weiteren Arten, so würden im schlimmsten Fall vielleicht alle Fichten in solch einem Mischbestand absterben, aber andere Arten würden davon nicht beeinflusst werden und könnten den Wegfall der toten Fichten auffangen. Dadurch bleibt der Waldstandort in leicht veränderter Artenzusammensetzung erhalten und kann fortlaufend die zahlreichen Ökosystemleistungen vollbringen.
Warum ist die Förderung von Biodiversität zentral für den SÖA? Es herrscht wissenschaftlicher Konsens darüber, dass Biodiversität ein zentraler Faktor für die Resilienz von Ökosystemen und somit auch für Wirtschaft und Gesellschaft ist. Obwohl die Wichtigkeit der Biodiversität und ihres Nutzens für unsere menschliche Existenz vor drei Jahrzehnten in der „Convention on Biological Diversity“ auf internationaler Ebene anerkannt wurde, schwindet sie weltweit immer weiter. Erst kürzlich zog der Living Planet Report (10/2022) vom WWF eine ernüchternde Bilanz: Von 1970 bis 2018 lag der Bestandsrückgang der beobachteten Wildtierpopulationen bei 69 %. Während wir in Europa und Zentralasien einen Verlust von etwa 18 % zu verzeichnen haben, liegt Lateinamerika mit der Karibik in derselben Zeit bei 94 % Populationsverlust. Diese Entwicklung zeigt eindeutig, dass der Schutz der Biodiversität bisher nicht ansatzweise in ausreichendem Maße stattgefunden hat und dass es neue wirksame Lösungen und Konzepte braucht, welche es ermöglichen, diese stetige Abwärtsspirale zu durchbrechen.
Burden Shiftig
Burden Shifting bedeutet, dass man ein Umweltproblem löst oder reduziert, aber dadurch unbeabsichtigt ein anderes Problem erzeugt oder verschiebt – sei es zwischen Umweltwirkungskategorien (Klimawandel, Versauerung, Landnutzung, etc.), zwischen Lebenszyklusphasen (bspw. von Herstellung zum Lebensende) oder zwischen Regionen/Zeitpunkten.
Eine Ökobilanz (LCA) will genau solche Problemverschiebungen sichtbar machen. Ziel ist, Gesamtbelastungen zu reduzieren, nicht nur einzelne Aspekte. ISO-Normen fordern deshalb eine ganzheitliche Betrachtung aller Umweltwirkungen, um Burden Shifting zu vermeiden.
Typische Beispiele in der Ökobilanz
Emissionen vs. Abfälle: Filter in Fabriken senken die Luftverschmutzung, erzeugen aber hochgiftigen Sondermüll. Die Belastung wandert von der Luft ins Abfall-/Bodensystem.
Lokal vs. global: Strom aus Biokraftstoffen kann lokal „sauber“ wirken, aber die Anbauflächen führen weltweit zu Entwaldung und Biodiversitätsverlust. Die Belastung verschiebt sich von lokal zu global.
C
CE Delft
CE Delft ist ein unabhängiges Forschungs- und Beratungsinstitut aus den Niederlanden, das sich mit Nachhaltigkeit, Energie, Verkehr und Umweltfolgen beschäftigt. Wenn es um Umweltkosten geht, nutzt CE Delft Methoden, die auf Externalitätsbewertung beruhen – also auf der Erfassung von Schäden, die wirtschaftliche Aktivitäten (z. B. Transport, Energieverbrauch) an Umwelt und Gesundheit verursachen, aber nicht im Marktpreis enthalten sind.
E
Environmental Prices Handbook
Das Environmental Prices Handbook von CE Delft ist eine Art Referenzhandbuch für die Monetarisierung von Umweltschäden. Es liefert vereinheitlichte Kostensätze pro Schadstoff oder Ressourcennutzung, die auf wissenschaftlichen Berechnungsmethoden beruhen. Damit können Unternehmen, Behörden oder Forscher einfach die Umweltkosten von Produkten, Projekten oder Sektoren berechnen, sichtbar machen und internalisieren.
G
GHG Protocol (for Cities)
Das GHG Protocol (Greenhouse Gas Protocol) ist der weltweit am meisten genutzte Standard, um Treibhausgasemissionen systematisch zu erfassen, zu berechnen und zu berichten. Es bietet Unternehmen, Organisationen und Regierungen ein einheitliches Regelwerk, um ihre Klimabilanz (CO₂-Fußabdruck) zu erstellen. Dadurch werden Ergebnisse vergleichbar und transparent, ähnlich wie bei Finanzbilanzen.
Weil die Strukturen und Emissionen von Städten und Gemeinden anders sind als die von Unternehmen, gibt es für sie einen eigenen Standard, das GHG Protocol for Cities. Dieser Standard legt fest, wie Städte ihre Treibhausgasemissionen messen und berichten sollen, damit:
Ergebnisse vergleichbar sind (z. B. Hamburg vs. Kopenhagen), Fortschritte in der Klimapolitik überprüfbar sind,
globale Klimaziele (z. B. Pariser Abkommen) auch auf lokaler Ebene verfolgt werden können.
L
Lebenszyklus in der Ökobilanz
Der Lebenszyklus beschreibt alle Phasen eines Produktes, Prozesses oder einer Dienstleistung von der Entstehung bis zum Ende. In der Ökobilanz bedeutet das: Man schaut nicht nur auf die Nutzung, sondern auf alle Schritte, die Ressourcen verbrauchen oder Emissionen verursachen. Das ist wichtig, da viele Umweltwirkungen nicht dort entstehen, wo man sie vermutet. Ein Laptop zum Beispiel verbraucht in der Nutzung wenig Energie, aber die Herstellung und Rohstoffgewinnung verursachen hohe Umweltauswirkungen. Auch wird durch die Lebenszyklus-Betrachtung eine Problemverschiebung (Burden Shifting) vermieden.
Typische Phasen eines Lebenszyklus sind („von der Wiege bis zur Bahre“):
- Rohstoffgewinnung: Abbau von Erzen, Förderung von Öl, Holzeinschlag, Landwirtschaft usw.
- Herstellung / Produktion: Verarbeitung von Rohstoffen, Bau von Produkten, Maschinenlauf, Chemikalieneinsatz.
- Transport / Distribution: Transporte zwischen Lieferanten, Händlern und Kunden.
- Nutzung: Strom-, Wasser- oder Materialverbrauch beim Gebrauch des Produkts,
Wartung, Reparatur, Reinigung etc. - End-of-Life: Entsorgung oder Recycling
M
Midpoint- / Endpoint-Auswirkungen
In einer Ökobilanz schaut man sich an, welche Umweltwirkungen ein Produkt, ein Prozess oder eine Dienstleistung verursacht. Dafür gibt es zwei Ergebnisdarstellungen bzw. Bewertungsebenen.
Die Midpoint-Ebene kann auch als Wirkungskategorie-Ebene verstanden werden, auf der standardisierte Wirkungseinheiten definiert sind. Hier werden verursachte Emissionen präzise Umweltwirkungskategorien zugeordnet. Beispiele für Kategorien und zugehörige Messeinheiten sind: Klimawandel: kg CO₂-Äquivalente, Versauerung: kg SO₂-Äquivalente, Eutrophierung: kg PO₄³⁻-Äquivalente, Ozonabbau: kg CFC-11-Äquivalente.
Die Endpoints können auch als Schadens-Ebene verstanden werden. Hier werden die Midpoints weiterverarbeitet und in tatsächliche Schäden an Schutzgütern übersetzt:
Menschliche Gesundheit (z. B. Krankheitsfälle, verlorene Lebensjahre)
Ökosystemqualität (z. B. verlorene Biodiversität, Artenverlust)
Ressourcenverfügbarkeit (z. B. erhöhte Kosten durch Knappheit)
In der Ökobilanz haben die mittleren Werte eine höhere Sicherheit, während die Endpunkte (wie Ökosysteme, Ressourcen und menschliche Gesundheit) eine höhere Aussagekraft beispielsweise für die Entscheidungsfindung haben. Dementsprechend wird die Mittelwertebene für Ökobilanzergebnisse und Umweltkostenberechnungen verwendet, während für die Monetarisierungsmethodik die Endpunktebene verwendet wird, da die Bewertung auf Schadenskosten (Zahlungsbereitschaft & Wiederherstellungskosten) und Vermeidungskosten (Vermeidung) basiert, die auf der Endpunktebene ermittelt werden.
O
Ökobilanz
Eine Ökobilanz wird auch Lebenszyklusanalyse (engl. Life Cycle Assistent) genannt. Durch sie kann man den ökologischen Fußabdruck von Produkten, Unternehmen oder Städten ermitteln. Dabei werden die Umweltauswirkungen des Untersuchungsgegenstandes entlang seines gesamten Lebensweges – von der Herstellung bis zur Entsorgung – gemessen und bewertet.
Ökobilanzen sind die Grundlage für zielführende Verbesserungsmaßnahmen. Sie machen Reduktionspotenziale sichtbar und helfen dabei, die wahre Wirksamkeit von Verbesserungen zu beurteilen.
Ökologische Aufwertung
Die ökologische Aufwertung meint die Wiederherstellung des natürlichen Zustands eines beschädigten Ökosystems durch naturschutzfachliche Renaturierungsmaßnahmen. Dabei steht die ganzheitliche und standortspezifische Stärkung der Widerstandsfähigkeit der Natur im Fokus. Das ist das wirksamste Mitteln, um die Natur als Lebensgrundlage für Mensch und Tier wieder herzustellen und zu erhalten. Auf den individuellen Eigenschaften eines Ökosystems aufbauend, ist es immer das Ziel Biodiversität zu fördern.
Eindimensionale Projekte, die sich auf die Lösung eines einzelnen Umweltproblems konzentrieren, wie beispielsweise den Klimawandel, sind im Vergleich dazu weniger wirksam. Es besteht sogar die Gefahr, dass negative Wechselwirkungen (unbemerkt) entstehen.
Die Wiederbewaldung mit dem Fokus auf schnelle CO2-Speicherung ist ein Beispiel für so eine Wechselwirkung: Werden nicht heimische Baumarten gepflanzt bringt dies das standorttypische Ökosystem durcheinander. Ein Verlust an Biodiversität ist die Folge, da heimische Tier und Pflanzenarten verdrängt werden. Werden diese Baumarten dann auch noch in Monokultur gepflanzt, kann das schwere Folgen für die Widerstandsfähigkeit des Ökosystems haben. Das Fichtensterben durch die klimabedingte Trockenheit und den Borkenkäfer zeigt in einigen Regionen in Deutschland eindrücklich, wie schnell ein Ökosystem kippt, wenn es auf Monokultur ausgelegt ist.
Im Zuge der ökologischen Aufwertung, hätte man auf einen heimischen Baumarten-Mix gesetzt. Denn: Sterben in einem Mischwald die Fichten aus, können die verbleibenden Baumwarten diesen Verlust kompensieren. Biodiversität bedeutet: Widerstandsfähigkeit gegen Umweltveränderungen. Das gilt es zu fördern.
Ökosystemleistungen
Ökosystemleistungen sind die Beiträge der Natur (Ökosysteme, Biodiversität) zum menschlichen Wohlbefinden und zur Wirtschaft.
Sie beschreiben also den Nutzen, den wir direkt oder indirekt aus funktionierenden Ökosystemen ziehen.
Ökosystemleistungen werden meist in vier Hauptgruppen unterteilt:
Versorgungsleistungen: materielle Güter aus der Natur, wie Nahrung, Holz, Trinkwasser, Heilpflanzen, genetische Ressourcen
- Regulierungsleistungen: Regulierung von ökologischen Prozessen, z. B. Bestäubung durch Insekten, Klimaregulation durch Wälder, Hochwasserschutz durch Auen, Luft- und Wasserreinigung
- Kulturelle Leistungen: Nicht-materielle Beiträge der Natur, wie Erholung, Ästhetik, Spiritualität, Bildung, Inspiration für Kunst
- Unterstützende Leistungen: Grundlage für alle anderen Leistungen, wie beispielsweise Bodenbildung, Nährstoffkreisläufe, Biodiversitätserhalt
R
Renaturierung
„Renaturierung“ oder auch „ökologische Aufwertung“ meint die Wiederherstellung eines möglichst natürlichen oder naturnahen Zustands in einem Ökosystem, das durch menschliche Eingriffe geschädigt oder verändert wurde. Ziel ist es, Funktionen bzw. Leistungen der Natur (Lebensräume, Klimaschutz, Wasserhaushalt, etc.) wiederherzustellen. Wenn ein Gebiet durch Landwirtschaft, Industrie, Bebauung oder andere Eingriffe verändert wurde, sind oft natürliche Funktionen (Ökosystemleistungen) verloren gegangen. Bei der Renaturierung versucht man, diese Funktionen zurückzubringen, indem man das Gebiet ökologisch „heilt“.
Mit den Grundlagenkonzepten zum Standard für ökologische Aufwertung (SöA) erweitern wir das Verständnis von Renaturierung, da wir auch landwirtschaftliche Nutzflächen und Stadtgebiete mit einbeziehen. Das Ziel ist, in allen Flächentypen so viel Natur wie möglich wiederherzustellen. Denn natürlich kann eine Stadt nicht komplett in einen wilden Ursprungszustand zurückversetzt werden. Und doch ist es wichtig, Naturschutz nicht getrennt, sondern in Verbindung mit Landnutzung und Stadtentwicklung zu denken und umzusetzen. Nur so wird ein Leben innerhalb planetarer Grenzen möglich.
S
Schutzgut
Ein Schutzgut ist das, was wir durch Umweltpolitik, Umweltbewertung und auch den Mehr.Wert-Standard schützen wollen. Sowohl in der Ökobilanzierung nach ISO-Norm als auch in der naturschutzfachlichen Renaturierung gibt es die Schutzgüter „Menschliche Gesundheit“ und „Ökosystem“.
In der Umweltkostenrechnung (wie bei CE Delft) sind Schutzgüter die Bezugspunkte, an denen die Schäden durch Emissionen oder Ressourcennutzung sichtbar gemacht und mit Geld bewertet werden. In der ökologischen Aufwertung bilden die Schutzgüter die Zielgrößen für Schutz- und Wiederherstellungspläne und -maßnahmen.
T
True Costs / wahre Kosten
Das Konzept sieht vor, neben direkten Kosten eines Produktes (etwa Produktionskosten) auch ökologische und soziale Folgekosten einzupreisen, die aktuell zulasten der Gesellschaft, anderer Regionen, aber auch späterer Generationen gehen. So erhält ein Produkt einen realen – fairen – Preis.
U
Umweltkosten
Alles, was hergestellt und genutzt wird, hat Auswirkungen auf die Umwelt. Das beeinflusst die Leistungsfähigkeit der Natur, unsere Gesundheit und insgesamt unsere Lebensqualität. Und es kostet Geld. Besser gesagt: Die Wiederherstellung von geschädigten Ökosystemen (wie Gewässern), die Anpassung an Umweltveränderungen oder auch medizinische Behandlungen, und vieles mehr, das durch die Umweltauswirkungen notwendig wird, kostet Geld.
Das Problem: Diese Kosten, die durch negative Auswirkungen entstehen, übernehmen bisher nicht die Verursacher, wie beispielsweise Unternehmen. Diese Kosten zahlt die Allgemeinheit, ohne sich dessen bewusst zu sein.
Mit Umweltkosten geben wir acht Umweltauswirkungen einen monetären Wert in Euro. Unternehmen können Verantwortung für diese Umweltauswirkungen übernehmen, indem sie ihre Umweltkosten in ihre Bilanzierung integrieren und mittels nachhaltiger Innovation reduzieren. Verbleibende Umweltkosten können die Unternehmen nach GUH-Standard durch Investitionen in die Natur ausgleichen. Mehr dazu unter dem Stichwort „Umweltwert“.
Die acht Umweltkosten, die nach GUH-Standard monetarisiert werden, sind: Klimawandeln, Versauerung, Süßwasser- und Meerwasser-Eutrophierung (Nährstoffübersättigung), Sommersmog, Abbau der Ozonschicht, Land- und Wassernutzung.
Umweltwert
Der Umweltwert umfasst alle Aufwände, die getätigt werden, um ökologisch beschädigte oder geschwächte Gebiete naturschutzfachlich (nach dem Standard für ökologische Aufwertung) wieder herzustellen. Er wird in Euro beziffert. Durch die Investition in den Umweltwert können Unternehmen Umweltkosten, die nicht weiter gesenkt werden können, ausgleichen.
Umweltauswirkung / Umweltwirkungskategorie
Umweltauswirkungen sind die Folgen menschlichen Einwirkens auf die Umwelt. Von der Herstellung bis zur Entsorgung von Produkten werden zum Beispiel natürliche Ressourcen wie Wasser oder Land gebraucht und verschiedene Emissionen wie Kohlenstoffdioxid, Stickstoff oder Methan freigesetzt. Diese Prozesse bezeichnet man als Umweltauswirkungen.
Um darzustellen, wie sich die Umwelt durch die Auswirkungen verändert, werden die Umweltauswirkungen in Umweltwirkungskategorien zusammengefasst. Die bekannteste ist der Klimawandel.
In der Ökobilanzierung zielt man darauf ab, möglichst viele Umweltwirkungskategorien zu berücksichtigen, um ein vollständiges Bild als Basis für die Reduktion zu erhalten. Im GUH-Standard werden noch sieben weitere Umweltwirkungskategorien betrachtet: Versauerung, Süßwasser- und Meerwasser-Eutrophierung (Nährstoffübersättigung), Sommersmog, Abbau der Ozonschicht, Land- und Wassernutzung.
Umweltwirkungskategorie: Abbau der Ozonschicht
Diese Kategorie bewertet, wie sehr eine Substanz oder Aktivität die Ozonschicht schädigen kann. Die Ozonschicht ist eine schützende Schicht aus Ozon (O₃), die die Erde vor der schädlichen UV-Strahlung der Sonne schützt. Wenn diese Schicht durch bestimmte Chemikalien, wie zum Beispiel Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) oder andere ozonabbauende Substanzen, geschädigt wird, kann das zu einer erhöhten UV-Strahlung auf der Erdoberfläche führen. Das kann wiederum negative Folgen für Menschen, Tiere, Pflanzen und das gesamte Ökosystem haben, wie z. B. Hautkrebs, Augenschäden oder Beeinträchtigung des Pflanzenwachstums.
Umweltwirkungskategorie: Klimawandel
In der Umweltwirkungskategorie Klimawandel wird bewertet, wie stark ein Produkt, eine Aktivität oder ein Prozess zum Ausstoß von Treibhausgasen beiträgt und somit den Klimawandel beeinflusst. Treibhausgase wie Kohlendioxid (CO₂), Methan (CH₄) und Lachgas (N₂O), sammeln sich in der Atmosphäre und verstärken die Erderwärmung. Folgen sind beispielsweise der Anstieg des Meeresspiegels, häufigere und intensivere Wetterextreme wie Stürme, Dürren und Überschwemmungen sowie Veränderungen in Ökosystemen und landwirtschaftlichen Erträgen.
Umweltwirkungskategorie: Landnutzung
Diese Kategorie bezieht sich darauf, wie die Nutzung von Landflächen die Umwelt beeinflusst. Das umfasst beispielsweise die Umwandlung von natürlichen Flächen in landwirtschaftliche Flächen, Siedlungen oder Industriegebiete. Solche Veränderungen können Auswirkungen auf die Biodiversität, den Wasserhaushalt und das Klima haben. Die Bewertung der Landnutzung hilft dabei, die Umweltauswirkungen von Projekten oder Aktivitäten besser zu verstehen und nachhaltige Entscheidungen zu treffen.
Umweltwirkungskategorie: Sommersmog
Sommersmog beschreibt die Bildung von bodennahem Ozon durch Sonnenlicht und Schadstoffe. Er entsteht vor allem in warmen Monaten. Bodennahes Ozon verschlechtert erheblich die Luftqualität, was sich schädlich auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt auswirkt.
Sommersmog entsteht, wenn bestimmte Schadstoffe wie Stickstoffoxide (NOₓ) und flüchtige organische Verbindungen (VOCs) unter Sonneneinstrahlung zu Ozon in Bodennähe reagieren. Dieses Ozon ist ein Hauptbestandteil des Sommersmogs. Folgen von Sommersmog sind unter anderem gesundheitliche Beeinträchtigungen wie Atemnot, Husten, Reizungen der Schleimhäute und Verschlechterung von Asthma oder anderen Atemwegserkrankungen. Ozon kann aber auch Pflanzen schädigen, deren Wachstum beeinträchtigen und die Biodiversität in Ökosystemen verringern.
Umweltwirkungskategorien: Süßwasser- und Meerwasser-Eutrophierung
Süßwasser- und Meerwasser-Eutrophierung beschreibt die schädliche Überdüngung von Seen und Flüssen beziehungsweise der Meere und Küstengewässer. Durch landwirtschaftliche Abwässer, Klärschlämme, Abwässer aus Haushalten oder industrielle Prozesse gelangen zu viele Nährstoffe in die Gewässer. Die Nährstoffübersättigung fördert das Algenwachstum, was Sauerstoffmangel im Gewässer verursacht und dazu führen kann, dass Fische und andere Wasserlebewesen ersticken. Durch die übermäßige Algenblüte konzentrieren sich zudem Giftstoffe, die das Ökosystem zerstören.
Umweltwirkungskategorie: Versauerung
Versauerung beschreibt die schädliche Absenkung des pH-Werts in Böden und Gewässern durch saure Schadstoffe, was die Gesundheit von Ökosystemen beeinträchtigt. Bei Verbrennungsprozessen in Kraftwerken, Fahrzeugen und Industrieanlagen entstehen Schadstoffe wie Schwefeldioxid (SO₂) und Stickstoffoxide (NOₓ). Gelangen diese in die Atmosphäre, reagieren sie mit Wasser, Sauerstoff und anderen Chemikalien und bilden Schwefelsäure und Salpetersäure. Diese sauren Substanzen fallen dann mit Regen, Nebel oder Staub auf Böden und Gewässer.
Die Folgen der Versauerung sind vielfältig:
- Für Böden: Der saure Regen kann die Nährstoffverfügbarkeit verringern und schädliche Metalle wie Aluminium freisetzen, die für Pflanzen und Bodenorganismen giftig sind.
- Für Gewässer: Eine zu saure Umgebung kann zu Fischsterben und dem Rückgang von Wasserlebewesen führen.
- Für Pflanzen: Saure Böden können die Wurzeln schädigen und die Aufnahme von wichtigen Nährstoffen erschweren.
Umweltwirkungskategorie: Wassernutzung
In der Kategorie „Wassernutzung“ wird bewertet, wie viel Wasser bei der Herstellung oder Nutzung eines Produkts oder Prozesses verbraucht wird und welche Umweltfolgen daraus entstehen können.
Wenn Wasser genutzt wird, kann das zum Beispiel bedeuten, dass Wasser aus Flüssen, Seen oder Grundwasser entnommen wird. Das kann Auswirkungen auf die Ökosysteme haben, wie den Lebensraum von Fischen und Pflanzen. Auch die Qualität des Wassers kann beeinflusst werden, wenn zum Beispiel Abwässer nicht richtig behandelt werden.
W
Wirkungsabschätzungsmethode ReCiPe 2016 (H)
ReCiPe 2016 (H) ist ein Werkzeug, um Umweltschäden messbar und vergleichbar zu machen. Mit dieser standardisierten Methode kann man berechnen, wie stark ein Produkt, ein Prozess oder eine Dienstleistung die Umwelt belastet. Sie wird sehr oft in Ökobilanzen (auch Life Cycle Assessment (LCA) oder Lebenszyklusanalyse) benutzt.
Sie liefert sowohl detaillierte (Midpoint) als auch aggregierte (Endpoint) Ergebnisse. Die Mitpoint Ebene betrachtet Ursache und Auswirkung auf einem Detailgrad von 18 Wirkungskategorien. Diese sind beispielsweise Klimawandel, Versauerung, Eutrophierung, Wasser- oder Landnutzung. Mit diesen Informationen können zum Beispiel Produkte zielgenauer optimiert werden, da Verbesserungen konkret sichtbar werden, aber auch Problemverschiebungen (Verbesserung in einer Wirkungskategorie vs. Verschlechterung in einer anderen).
Die „aggregierten Midpoint-Ergebnisse“ sind Schadenskategorien. Sie zeigen den realen Schaden der verschiedenen Umweltauswirkungen, bezogen auf Mensch und Natur. Es gibt drei Kategorien:
Menschliche Gesundheit (z. B. Krankheitslast in DALY)
Ökosystemqualität (z. B. Verlust an Biodiversität)
Ressourcenverfügbarkeit (z. B. erhöhte Kosten zukünftiger Rohstoffgewinnung).
Jede Wirkungsabschätzungsmethode basiert auf Annahmen. ReCiPe 2016 bietet drei sogenannte „kulturelle Perspektiven“. Diese unterscheiden sich dadurch, wie vorsichtig oder zukunftsorientiert die Modellannahmen sind. Das „H“ in der Bezeichnung ReCiPe 2016 (H) bedeutet, dass die „H“-Perspektive zur Bewertung des Schadens verwendet wird. Das ist die mittlere, am häufigsten genutzte Annahmebasis und wird als wissenschaftlicher Konsens definiert.