Fotografie Baumwipfel

Expert:innen-Austausch 2025

Inspiriert, für eine lebenswerte Zukunft

Visionäre Referent:innen, vielversprechende Ideen, wertvolle Diskussionen, jede Menge Networking und neue Mitstreiter:innen – das alles (und noch viel mehr) gab es auf dem Expert:innen-Austausch 2025. Hier können Sie die Highlights nacherleben.

Wirtschaften innerhalb planetarer Grenzen? Hier geht‘s lang:

 

Es sind keine einfachen Zeiten für Nachhaltigkeits-Pioniere. Umso wichtiger, zielführende und praxistaugliche Lösungen für die ökologischen Herausforderungen zu entwickeln, vor denen Unternehmen und gesellschaftliche Akteure heute mehr denn je stehen.

Auf dem Expert:innen-Austausch 2025 kamen unsere Mitglieder und weitere Expert:innen aus verschiedenen Fachrichtungen zusammen, um gemeinsam in persönlicher Atmosphäre Wissen und Ideen auszutauschen. Die wertvollen Impulsvorträge unserer Referent:innen wollen wir hier  mit Ihnen teilen.

Fotografie: Bergaufstieg

Ralph Thurm, Co-Founder r3.0

Status und Chancen authentischer Nachhaltigkeit in Zeiten von Collapse

Ralph Thurm, junger Veteran im Nachhaltigkeitsbereich, Standardentwickler der Ersten Stunde und Co-Founder von r3.0 teilte mit uns seine Erfahrungen und seine Gedanken zum Thema Nachhaltigkeit. Absolut sehenswert! Seine faktenbasierte Perspektive rüttelt wach, regt zum Nachdenken an und zeigt mit jedem Satz: Hier geht es schon lange nicht mehr darum, dass Nachhaltigkeit eine nette Marketing-Attitude ist.

Es geht um den Erhalt unserer Lebensqualität – und für Unternehmen im Speziellen ums Überleben.

Denn während wir alle noch darüber sprechen, wie wir den Kollaps vermeiden können, stellt Ralph mit eindrücklicher Klarheit heraus, dass wir längst mittendrin sind und bald seinen Zenit erreichen werden.

Was wir mitnehmen:

  • Wir sind mit unserem Ziel, Wirtschaft innerhalb planetarer Grenzen zu verwirklichen, auf dem richtigen Weg.
  • Auf diesem Weg müssen wir zwar sehr praxistauglich sein (um möglichst alle ins Boot zu holen) – wir dürfen den Mehr.Wert-Standard dabei aber nicht verwässern.
  • Auch braucht es eine interdisziplinäre Allianz: NGOs, Unternehmen, Politik, Zivilgesellschaft … jede:r für sich kann nicht ausreichend genug bewirken. Wir müssen all diese Akteure verbinden, um die notwendige Transformation zu schaffen.
  • Und: Wir müssen gemeinsames Wissen lokal entwickeln und als Gemeingut in die Breite tragen.

Keynote Ralph Thurm

Jan Köpper, Geschäftsführer Mehr.Wert-Verein

Ein neues Normal!?
Narrativ der Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit ist system-relevant – und längst das neue Normal! Warum ist das gesellschaftspolitisch an uns vorbeigegangen? Jan Köpper – seit bald 20 Jahren Nachhaltigkeitsexperte mit dem Fokus nachhaltige Finanzwirtschaft und Regulatorik – nimmt uns mit auf eine Reise in die Logiken der Wirtschaft und arbeitet heraus, warum diese aktuelle Lösungsansätze blockieren.

Er zeigt uns, dass – systemisch gedacht – Nachhaltigkeit längst als wesentlicher Stabilisierungsfaktor wirtschaftlicher Resilienz und Entwicklung verstanden wird.

Wenn also Wachstum, Beschäftigung, Infrastruktur und Wohlstand ohne eine integrale Nachhaltigkeitsbetrachtung nicht mehr denkbar sind – vor allem nicht ohne Umwelt- und Klimathemen – warum scheitern wir dann bei der praktischen Umsetzung dieses faktischen Wissens?

Wenn Aufsichtsbehörden und Zentralbanken Verpflichtungen zur Integration von Umwelt- & Klimarisiken verabschieden und damit den Finanz- & Kapitalmarkt gestalten, wo hakt’s denn dann eigentlich noch?

Die Antworten auf diese Frage sind natürlich komplex. Laut Jan kommt man der Lösung auf die Schliche, durch die Definition eines kleinsten gemeinsamen Nenners:

Solange die faktische Notwendigkeit von Nachhaltigkeit – als undiskutabler Stabilisierungsfaktor von Wirtschaft und Gesellschaft – vermischt wird, mit der emanzipatorischen Frage, wie wir miteinander leben wollen, versandet konsequentes Nachhaltigkeitsbestreben oftmals in Dogmatismus und Verdruss. Schlimmer noch: Es ermöglicht, das Notwendige kaugummiartig hinauszuziehen. Oder anders: Wenn zwei sich darüber streiten, wo’s langgeht, freut sich der Dritte, dass er stehenbleiben darf.

Keynote Jan Köpper

Dr. Amelie Michalke, Gründerin Patos

Naturkapital in Theorie & Praxis

„Natur, Ökosysteme, unsere Welt … das ist alles, was wir haben!“ Ein starker Start von Dr. Amelie Michalke in ihren Vortrag. Verdeutlicht er doch, wie brisant das Thema ist.

Worum geht’s? Die Umweltauswirkungen, die Unternehmen, Städte, Gemeinden (und jede:r Einzelne von uns) auf unsere Welt haben, verringern die Fähigkeit von Ökosystemen, Leistungen zu generieren, die für uns alle existenziell sind.

Der entstehende Schaden hat einen tatsächlichen Preis. Doch den zahlen derzeit wir alle verallgemeinert in Form von Steuern, Versicherungen und anderen Ausgaben. Mit der Umrechnung verursachter Umweltauswirkungen in Umweltkosten kann man diesen Schaden konkret in Euro abbilden und den wahren Verursachenden zuschreiben. Stand heute könnte also THEORETISCH jede:r wissen, welche Zeche er oder sie zu zahlen hat. Nun gilt es, dies auch PRAKTISCH umzusetzen.

Amelie ist Vorreiterin auf diesem Gebiet: Gemeinsam mit ihrem Team entwickelte sie die „Wahre-Kosten“-Kampagne von Penny. Neben Einblicken ins Kampagnen-Design teilte Amelie wertvolle Erkenntnisse, die sie durch Begleitstudien gewinnen konnte.

Ihr Fazit: Wir können den Menschen die Wahrheit zutrauen – sie brauchen aber vielleicht mehr als zwei Wochen, um sie zu verdauen …

Was haben wir mitgenommen? Umweltbildung, in einfachen Metaphern wie den wahren Kosten, ist notwendig, braucht aber einen langen Atem. Wenn wir wirklich etwas bewegen wollen, müssen Umweltkosten kontinuierlich eingepreist, ausgewiesen und mit attraktiver Kommunikation begleitet werden.

Auf das wahre Kosten das neue Normal werden!

Am Schluss noch ein Schmankerl: Amelie und ihr Team haben in Zusammenarbeit mit Deuter Sport GmbH ein Programm entwickelt, das mit sogenannten „Knowledge Graphs“ die aktuelle und zu erwartende Resilienz von Lieferketten abbilden kann.
Am besten ihr schaut es euch in der Video-Zusammenfassung selbst an.

Keynote Dr. Amelie Michalke

Prof. Dr. Heinz Ahn, Institutsleiter Controlling und Unternehmensrechnung, TU Braunschweig

Input-orientierte Umweltwertberechnung – 2.0

„Reduktion vor Kompensation” ist ein Grundprinzip des Mehr.Wert-Standards. Aber wie können nicht reduzierbare Umweltauswirkungen verursachungsgerecht ausgeglichen werden? Die Herausforderung dabei ist, zwei unterschiedliche Funktionssysteme auf einen Nenner zu bringen – also Äpfel mit Birnen zu vergleichen.

Denn während mittels Ökobilanz prozentual genau berechnet werden kann, welche Umweltauswirkungen ein Produkt konkret verursacht, kann zum exakten Ausgleich auf der Wiedergutmachungsseite nicht einfach zu gleichen Anteilen ein “Gegengift” eingesetzt werden. Oder anders: Wenn ein Produkt zu x Prozent zur Nährstoffübersättigung der Meere beiträgt, können wir nicht einfach diese x Prozent Nährstoffe aus dem Wasser filtern. Eine Möglichkeit diesen Schaden auszugleichen ist, beschädigte Natur als Ganzes zu stärken, damit sie sich selbst heilen kann.

Dafür übersetzen wir die Verursachungs- und Wiedergutmachungsseite in eine andere Bewertungsdimension. Wir ermitteln für beide einen validen Geldwert.

Die Wiedergutmachungsseite bilden wir im Mehr.Wert-Ansatz mit dem Umweltwert ab. Dieser umfasst – vereinfacht erklärt – die Summe aller Aufwände, die getätigt werden, um geschädigte Ökosysteme naturschutzfachlich wieder aufzuwerten, damit die Natur insgesamt wieder vielfältiger, gesünder und widerstandsfähiger wird.

Die betriebswirtschaftliche Berechnungsmethode, die dem Umweltwert zugrunde liegt, hat maßgeblich Prof. Dr. Heinz Ahn, Institutsleiter Controlling und Unternehmensrechnung an der Technische Universität Braunschweig entwickelt.

Auf dem GUH-Expert:innen-Austausch stellte er die Version 2.0 vor. Eine Weiterentwicklung, die es u. a. nun auch Landwirten oder Gemeinden ermöglicht, Umweltwert zu schaffen und so zugleich die eigene nachhaltige Transformation finanziell zu unterstützen.

Im Video anbei haben wir die wichtigsten Aussagen  zusammengefasst.

Keynote Prof. Heinz Ahn

Danny Püschel, COO GREENZERO

KPI-orientierte Wertberechnung am Beispiel Nature Credits

Wie kann man die ökologische Aufwertung – neben dem Umweltwert – noch in Wert setzen? Danny Püschel, COO von GREENZERO, stellt im Video einen sogenannten KPI-orientierten Ansatz zur Kompensation von Umweltauswirkungen vor.

Er entwickelt derzeit einen Ansatz, mit dem die Leistungssteigerung von renaturierten Ökosystemen in sogenannte „Nature Credits“ übersetzt werden und den Umweltauswirkungen gegenübergestellt werden kann.

Gemessen werden soll diese Verbesserung zum Beispiel durch die Einheit „Species per Year“. Eine Bewertungseinheit, die es sowohl in der Abschätzungsmethode für die Umweltauswirkungen gibt (ReCiPe) als auch im Monitoring naturschutzfachlich renaturierter Flächen.

Keynote Danny Püschel

Tobias Till Keye, u.a. Geschäftsführer Projekt N

Widerstände und Chancen in der sozial-ökologischen Transformation

Wie werden ambitionierte Nachhaltigkeitsstrategien gelebte Praxis – und wie kommen wir vom Sollen ins Wollen? Tobias Till Keye teilt mit uns in seinem Vortrag Erfahrungen aus seinem beruflichen Alltag.

Er ist seit vielen Jahren an der Schnittstelle zwischen Strategie, Theorie und Praxis im Bereich der biodynamischen Landwirtschaft tätig. Sein Fokus dabei: Bildung für nachhaltige Entwicklung. In diesem Kontext entwickelte und erprobte er bereits viele innovative Formate, die verschiedene Interessengruppen vernetzen und in Zusammenarbeit bringen.

Neben inspirierenden Ideen für Beteiligungskonzepte nehmen wir drei Kernbotschaften aus Tobias‘ Vortrag mit:

1. Auch beim Stakeholder-Engagement führt das Prinzip der Ganzheitlichkeit zum Ziel: Wir müssen alle Beteiligten, ihre Bedürfnisse und Herausforderungen be- und mitdenken.

2. Transformation muss für alle Beteiligten einfach sein: Kleine landwirtschaftliche Betriebe und verarbeitende Unternehmen zum Beispiel haben keine Ressourcen für aufwendige (und zusätzliche) Berichterstattungen, Monitorings etc. Barrierefreie, fundierte und mit regionalen Erfahrungen veredelte Primär- und Sekundärdaten sollten für genau diese Akteure aufgebaut und zur Verfügung gestellt werden.

3. Regionalität und Beziehung sind der Dreh- und Angelpunkt – auch für globale Entwicklung: Veränderung gelingt leichter, wenn sie – bildlich gesprochen – vor der Haustür mit allen Nachbarn beginnt. So entstehen Kooperation, Selbstwirksamkeit und für jede:n ein erlebbarer Mehrwert.

Keynote Tobias Till Keye

Markus Schulz, Co-Founder Klima-Taler

Erfahrungswerte zum Stakeholder-Engagement

„Wenn ihr etwas verändern wollt, muss es einfach, einfach, einfach sein!“ Das ist die zentrale Botschaft von Klima-Taler.com Gründer Markus Schulz.

In seinem Vortrag über seine Nachhaltigkeits-App für Bürgerinnen und Bürger, teilt er seine Erfahrungen und die seiner Zielgruppen mit uns.

„Nachhaltigkeits-App“ ist als Beschreibung schon viel zu abstrakt – und somit das Gegenteil von einfach. Klima-Taler ist vielmehr eine Mischung aus Mobilitäts-Tracker und Kleinanzeigen für klimafreundliches Verhalten. Oder anders: Ohne dass ich einen Button drücken muss, kann ich allein für die Nutzung meiner Füße – statt dem Auto – Punkte Sammeln und diese dann in öffentlichen Einrichtungen oder bei teilnehmenden Unternehmen gegen Vergünstigungen einlösen. Und das alles so einfach wie Payback – wenn nicht gar einfacher.

Das einzige mögliche Hindernis für interessierte Bürger:innen. Der eigene Wohnort muss bei Klima-Taler mitmachen. Das lohnt sich aber auch. Nicht nur, dass Städte und Gemeinden ihren Bürger:innen ein pädagogisch wertvolles Befähigungs- und Bildungstool für die ganze Familie an die Hand geben. Sie können durch die Teilnahme auf anonymisierte Mobilitätsdaten ihrer Bürgerinnen und Bürger (in Echtzeit) zugreifen.

So können Serviceangebote einer Stadt zielgruppenorientierter weiterentwickelt und die Mobilitätswende (und andere Bereiche) effektiver zukunftsweisend vorangetrieben werden.

Wir nehmen mit (unter anderem):

  • Wir müssen unsere Angebote einfach, einfach, einfach (und attraktiv) machen.
  • Wir müssen echten Mehrwert für die verschiedenen Stakeholder schaffen.
  • Es lohnt sich, erfolgreiche Angebote genauer anzuschauen und deren Mechanismen für die gute Sache zu adaptieren.

Keynote Markus Schulz